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Über Rauma und das Turku-Archipel nach Helsinki

Kutte-Gospel-Riders

Wir wollten in Oulu für Thomas einen neuen Hinterreifen aufziehen lassen und in Kokkola einen Übernachtungsstopp auf dem Weg nach Rauma machen. In Oulu trafen wir schon im Harley Davidson Shop, der gleich neben der Werkstatt lag, auf einen „Gospel Rider“ – klar identifizierbar durch die Kutte. Religiöse Rocker 🤔? Tatsächlich! Auf dem Parkplatz davor erzählte uns ein finnisches Ehepaar, beides erklärte Christen, dass sie diese kennen würden. Der Frau war es noch nach unserer Unterhaltung ein Bedürfnis, lauthals ein Gebet auf Finnisch für uns und unsere Reise zu sprechen. Das könne ja nicht schaden, dachten wir uns.

 

Am selben Abend fragten wir dann 200 km weiter in einem Hostel bei Kokkola nach einem freien Zimmer. Wie sich herausstellte, war der Inhaber ein Mitglied der Gospel Rider und hatte diese auch just an dem Abend zum Grillen eingeladen. Auch wir bekamen etwas vom Grillgut spendiert und noch dazu einen fairen Preis für das Zimmer. Das Hostel liegt an einem idyllischen Fleckchen am See, mit der Möglichkeit zu einer besonderen Sauna – der Rauchsauna. Wir selbst haben die Einladung dazu nicht wahrgenommen, aber entpannt dabei zugesehen, wie die Finnen ganz beseelt von der Rauchsauna in den See, dann in die normale Sauna und wieder zurück gepilgert sind – inklusive Badekleidung und dem ein oder anderen Cowboy-Hut.

Hostel-am-See

Unser nächstes Ziel war Rauma, die drittälteste Stadt Finnlands, die mit ihrer Altstadt aus Holz zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Leider hat es in Rauma wieder fast ununterbrochen geregnet, so dass wir kaum davon profitieren konnten.

Einer der anwesenden Motorradfahrer hatte uns an dem Abend in Kokkola von einer schönen Motorradrunde mit Insel-Hopping auf dem Turku-Archipel erzählt. Das haben wir spontan zum nächsten Ziel gemacht und sehr genossen! Wir haben die Runde bei Naantali begonnen und sind hinter Turku wieder auf dem Festland gelandet und am nächsten Tag Richtung Helsinki weitergefahren.

Faehre-nach-Talinn

Der nächste Tag hat uns mit heftigem Regen in die finnische Hauptstadt gebracht, wo uns laue 20 Grad und Sonnenschein erwarteten. Helsinki hätte uns mit seinem Flair zum Verweilen eingeladen, aber die Fähre nach Tallinn war gebucht – ein anderes Mal hoffentlich!

 

Die Finnen

„Die spinnen, die Finnen“?  Nein. Die sind richtig verrückt, total abgefahren.

Auf wenigen Quadratmetern sieht man, vor Allem im Norden,  blonde 1 m lange Rasta-Dreads, zottige Männer mit Bärten frei nach Knorkator, die letzten Punk-Girls, Gruftie-Ladies, Flodder-Look und echte nordische Cowboys samt den dazugehörigen Hüten.

Dazu noch diese markige Sprache, dem Ungarischen ähnlich (kein Wunder wegen dem finnisch-ugrischem Sprachstamm) – etwas abgehackter und dennoch noch melodiös. Ich könnte stundenlang zuhören ohne zu verstehen. Uneins mit den restlichen Skandinaviern, spricht der Finne kein makelloses Englisch, hat er doch diesen störrischen Akzent, der ob meines eigenen holprigen Englischs, bei mir Erleichterung hervorruft. I like it!

Charakterlich sehr eigen, trotzdem fühlt man sich in ihrer Gesellschaft merkwürdig frei und unbeobachtet. Denn auf Grund ihrer ganz eigenen Vielfältigkeit fällt man hier garantiert selbst nicht auf.

Wenn man Finnen um Hilfe bittet, wirken sie immer noch etwas unwirsch, helfen jedoch ohne „wenn und aber“. Dank ignorieren sie, vielleicht ist das hier nicht üblich. Nach einiger Zeit werden sie dann trotz ihrer anfangs mürrisch wirkenden Art irgendwie vertraulich, mitunter recht redselig und dadurch ungemein sympathisch. Überhaupt sind wir der Meinung, hier auf sämtliche Protagonisten aus dem Dorf von „Wickie und die Wikinger“ getroffen zu sein.

Und Rentiere sind „stupid animals“ – aber sie schmecken gut.

Schräg sind sie, einfach schräg. Gefällt uns!

Finnish-Style
Finnish Style 😉

Fazit Finnland

Finnland war bis jetzt unser Überraschungsland auf Grund seiner gegensätzlichen Stadtbilder und Landschaften und dem urigen Charakter der Finnen. Die kleineren unbekannten Städte in Lappland erinnern ein bisschen an den städtebauerischen Einfallsreichtum des ehemaligen Ostblocks. In den Supermärkten stehen merkwürdigerweise Glücksspielautomaten und die sind auch besetzt. Nichts liegt hier ferner, als ein malerischer Dorf-Contest. Auf der anderen Seite gibt es dort im Norden Rentiere bis zum Abwinken, endlose Wälder und Nationalparks und im Süden viele idyllische Inseln und Schären und malerische Städte mit Holzhäusern, die man erkunden kann.

Nur leider derselbe Wermutstropfen wie in Norwegen – die hohen und unangemessenen Unterkunftkosten.

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