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Buenos Aires – Licht und Schatten

Die Argentinier – die Sch’tis Südamerikas

Genau wie in der französischen Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“, sind sie immer für einen Plausch zu haben und trinken auch gerne mal einen Wein oder ein Bierchen dazu. Wie der Bankdirektor im Film habe ich anfangs Verständnisschwierigkeiten – den jedes gesprochene „j“ wird mit „sch“ ersetzt. Wenn man dieses System erst Mal verstanden hat, ist es eigentlich sehr witzig und man muss aufpassen, dass man nicht selbst diesem weichen Slang verfällt…

Anmerkung: Auch in Teilen Chiles und Urugays wird gesch‘tit, aber die Argentinier sind der Mammut-Anteil.

Ansonsten trinken sie tatsächlich zu jeder Gelegenheit Mate (ein teeähnliches Kraut, dass den ganzen Tag über immer wieder aufgebrüht und mit einem Metall-Strohhalm aus einer Kalebasse geschlürft wird). Egal, ob im Auto, an der Bushaltestelle, in der Zollabfertigung oder während des Aufstiegs zu einer Berg-Wanderung – das kleine bauchige Trinkgefäß mit den Blättern und eine Thermoskanne zum Nachfüllen heißen Wassers sind immer dabei. Dagegen steckt unser Coffee-to-go-Konsum noch in den Kinderschuhen. 

Schon immer werden wir unterwegs nach unserer Herkunft und Reise befragt, aber die Argentinier sind noch interessierter, noch hilfsbereiter und noch auskunftsfreudiger. Keine rote Ampel oder sonstige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme wird ausgelassen. Durchweg freuen sie sich für uns und darüber, dass wir ihr Land besuchen. Gefühlt jeder Zweite gräbt noch irgendwelche deutschen Vorfahren aus und nennt uns seinen deutschen Namen. So auch Herr Schmid vom Sicherheitspersonal des Fährhafens nach Uruguay. Er ist so umwerfend sympathisch, dass wir spontan einfach nur ein Selfie machen wollen. Aber dabei bleibt es nicht – er möchte uns bei der ausstehenden Abreise noch ein kleines Geschenk überreichen. Das nehmen wir gerne und machen vorsorglich nach unserer Rückkehr aus Uruguay mit ihm noch einen Wiedersehensumtrunk klar.

Buenos Aires

Großstädte sind gar nicht unser Ding, schon gar nicht in Dimensionen von 13 Millionen Einwohnern im Ballungsraum und ca. zwei Millionen allein im Stadtkern. Die Hauptstadt Argentiniens ist damit die zweitgrößte Metropole Südamerikas. 

Zum schnelleren Vorankommen wählen wir beim Einfahren den mautpflichtigen innerstädtischen Highway und stellen schon während der smoggeschwängerten Durchfahrt erschreckt fest, dass wir hier auf keinen Fall bleiben wollen. Thomas macht auf Grund einer Fehlinfo des Navis mitten im Hauptverkehr einen Move quer über drei Fahrspuren und behindert nebenbei auch den Gegenverkehr – aber niemand hupt oder beschimpft uns. Das ist cool und somit schon unser erster positiver Eindruck dieser Mega-Stadt. 

Wir haben, wegen der Parkgarage, ein preislich günstiges Hotel mitten im Zentrum gewählt. Genau an der breitesten Straße der Welt mit 16 Fahrspuren – verkehrstechnisch genial, bei offenem Fenster ein Albtraum!

Wir halten dort drei Tage durch und sind dennoch und tatsächlich fasziniert, als wir auch die Unterschiedlichkeit und Anziehungskraft der einzelnen Barrios (Stadtviertel) kennenlernen. Es gibt noble Bezirke, Restaurant-, Universitäts, – und Kneipenviertel, Markthallen, Parkanlagen, Handelszentrum, Hafen, Verwaltung bis hin zu „La Boca“, die Heimat des Fußballklubs der Boca-Juniors, in dem einst Maradona berühmt geworden ist. Dort ist er bis heute als Graffiti auf Häuserwänden oder als lebensgroße Figur, von Balkonen grüßend, lebendig. Deshalb nehmen wir uns vor, noch einmal zurückzukehren, um unsere Lieblingsviertel wie San Telmo, La Boca oder Palermo zu besuchen.

Seit unserer Ankunft in Chile vor einigen Monaten werden wir vor Handy-Diebstahl gewarnt. Grundsätzlich gilt auch, dass man sich nicht nachts abseits der großen Straßen aufhalten und immer auf seine Wertsachen aufpassen sollte. Buenos Aires ist berüchtigt für seine Raub- und Diebstahlraten. Trotz dieses Wissens wird mir auf Grund eines Augenblicks der Unachtsamkeit nachmittags mein Handy vom Tisch geklaut. Eine leidvolle Erfahrung, aber immer noch besser, als die eines argentinischen Bekannten, der, eine Woche zuvor, mitten am Tag vom internen Stadt-Highway abgedrängt und mit Waffengewalt zur Übergabe seines Motorrads gezwungen wurde. 

Eigentlich wollen wir die Stadt verlassen, aber wegen Ostern sind unsere nächsten Ziele ausgebucht bzw. überteuert. Wir beschließen, die Feiertage in einem Randbezirk von Buenos Aires zu überbrücken und landen unvermutet mitten in einem, für seine hohe Kriminalitätsrate, berüchtigten Barrio. Unsere Vermieter sind jedoch äußerst liebenswerte Leute und sehr um unsere und die Sicherheit der Mopeds besorgt – wir sind ihre ersten nicht-südamerikanischen Gäste. Am ersten Abend fischt mich unser Host mit seinem Pick-Up von der Straße, weil er in seiner Achtsamkeit mitbekommen hat, dass ich auf dem Weg zum Supermarkt in der falschen Richtung unterwegs bin… 

Wir harren dort bis nach Ostern aus und beschließen mit der Fähre nach Uruguay überzusetzen. Die Argentinier schätzen dieses Nachbarland und seine Bewohner sehr und erzählen uns, dass Uruguayer noch verrückter nach Mate und extrem entspannt sind. Da sind wir aber gespannt…  

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