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Endlich – das Nordkapp

Tatsächlich sollte der Weg zum Nordkap uns noch das Fürchten lehren. Begleitet wurden die beiden Tagesetappen dorthin selbstverständlich weiter von der allgegenwärtigen grauen Wolkendecke, Dauerregen, nasser Fahrbahn, schlechter Sicht und nun immer noch stärker werdendem Wind. Dieser hatte auf den ca. letzten 100 km der E69 (der nördlichsten Straße der Welt mit Anschluss an ein internationales Straßennetz), bis hinauf zum Basecamp, das wiederum 13 km vor dem Nordkap liegt, Sturmböen von 80 km/h erreicht. Diese Böen von der Seite haben zumindest meine ganze körperliche Kraft den Lenker auf Kurs zu halten, so beansprucht, dass ich am nächsten Tag noch Schmerzen in den Oberarmen hatte. Geistig hatte ich die ganze Zeit vor Augen, dass ich diesen Kampf verliere und es mich wahrscheinlich bald entweder unweigerlich gegen die Brüstung, in die Böschung oder womöglich in den Gegenverkehr drückt. Ich habe jetzt erst Mal ein Trauma… Aber auch Thomas hat so einen Seitenwind noch nie erlebt.

Landschaftlich wurde die Gegend natürlich karger und die ersten Rentiere wurden gesichtet. Das Ganze konnte man jedoch in dieser Situation schlecht fotografisch festhalten, so dass es meist nur Aufnahmen von Thomass Helm-Kamera oder vom nächsten Tag sind, in der es nur noch Böen von 50 km/h hatte. Alles in Allem war es eine ziemlich garstige, kalte und nasse Erfahrung und wieder hat uns ein Norweger bestätigt, dass dies zu dieser Jahreszeit nicht normal wäre. Das Basecamp war ein paar Stunden stromlos, da der Wind einen Strom-Mast gefällt hatte.

Nach einem Tag mentaler Ruhe und des Aufwärmens ging es dann bei etwas besserem Wetter zurück und vorbei an endlosen Küsten mit helltürkisfarbenem Wasser in die Landesmitte – diesmal in Richtung Finnland.

Abschließend gesehen, ist Norwegen ein wundervolles naturgewaltiges Land, das unbedingt nach einer Wiederkehr mit besserem Wetter ruft. Seine Schönheit hat sich trotz der widrigen Umstände tief in unser Farbengedächtnis eingebrannt.

Die Norweger

Um es frei nach den Worten eines gallischen Helden auszudrücken: „Die spinnen, die Norweger!“

Wenn unsereiner sich ob des Wetters schon überlegt, eine weitere Schicht unter der Motorradkleidung anzulegen, so hat der Norweger aber Sommer. Und da werden konsequent die kurzärmeligen Oberteile, Bermudas, schulterfrei und Badeschlappen getragen. Die Kinder springen beim leisesten Sonnenschein bei knapp 18 Grad jauchzend in den wahrscheinlich um einige Grad kälteren See und die Erwachsenen sitzen trotz Windböen fröhlich schwatzend beim Picknick. Auch ein Schleck-Eis kauft sich der Norweger gerne bei Temperaturen bis zu 8 Grad – das Wikingerblut vermutlich.

Unsere besondere Bewunderung gilt hierbei den Fahrrad-Trekking-Fahrern, die sich unerschütterlich bei Regen, Wind und Kälte noch in kniefreien Beinkleidern vorwärts kämpfen.

Beim Autofahren sind die Norweger sehr bedächtig – man stellt sich unweigerlich die „Henne oder Ei-Frage“, da ja meist höchstens 80 km/h erlaubt sind. Aber das geht in Ordnung, denn schließlich sind sie ja auch ein altes Seefahrervolk!

Beim Wandern und Campen sind sie etwas grußfaul und auch allgemein Fremden über eher distanziert – ähnlich uns Deutschen. Wenn der Norweger aber etwas gefragt wird, gibt er frohgemut Auskunft und man könnte meinen, er freue sich, gefragt worden zu sein, damit er doch eine Gelegenheit bekommt, sein freundliches Wesen zu offenbaren.

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